Die Zugweise des Pferdes
Das Pferd (馬/马, Ma) zieht in L-Form: ein Feld orthogonal (waagerecht oder senkrecht) und anschließend ein Feld diagonal nach außen. Aus einer zentralen Position ergeben sich dadurch bis zu acht mögliche Zielfelder. Im Gegensatz zum Springer im westlichen Schach kann das Xiangqi-Pferd blockiert werden. Steht eine Figur auf dem Schnittpunkt, über den das Pferd als Erstes zieht, kann es in diese Richtung nicht springen. Diese Blockregel – auf Chinesisch sinngemäß „dem Pferd das Bein stellen" – fügt eine taktische Tiefe hinzu, die es im westlichen Schach nicht gibt.
Die Blockregel im Detail
Die Blockregel ist das, was das Xiangqi-Pferd grundlegend vom Schachspringer unterscheidet. Will das Pferd nach rechts ziehen (erster Schritt waagerecht), muss der Schnittpunkt direkt rechts vom Pferd frei sein. Steht dort irgendeine Figur (eigen oder gegnerisch), kann das Pferd in diese Richtung nicht ziehen. In geschlossenen Stellungen mit vielen Figuren kann das Pferd so völlig bewegungsunfähig werden. Die gegnerischen Pferde zu blockieren und die eigenen frei zu halten, ist eine strategische Grundfertigkeit, die du unbedingt trainieren solltest.
Das Pferd in der Eröffnung
In der Eröffnung werden Pferde typischerweise zum Brettzentrum hin entwickelt. Die gängigsten Felder sind jene, die das Zentrum decken und spätere Angriffe vorbereiten. In der Schirm-Pferde-Verteidigung werden beide Pferde so aufgestellt, dass sie gegen die zentrale Kanone des Gegners verteidigen. Frühe Pferde-Entwicklung ist wichtig – achte aber darauf, sie nicht auf Felder zu stellen, wo sie leicht blockiert werden können. Ein gut entwickeltes Pferd kontrolliert mehrere Schnittpunkte und unterstützt Angriff wie Verteidigung gleichermaßen.
Angriffstaktiken mit dem Pferd
Das Pferd glänzt in offenen Stellungen, in denen es viele Schnittpunkte erreichen kann. Die Pferdegabel ist eine klassische Taktik: Das Pferd greift zwei Figuren gleichzeitig an und zwingt den Gegner zum Materialverlust. Das Pferd eignet sich auch hervorragend, um dem gegnerischen General aus ungewöhnlichen Winkeln Schach zu bieten, denn sein L-Zug umgeht gerade Verteidigungslinien. Besonders gefährlich ist die Kombination aus Pferd und Turm: Der Turm kontrolliert gerade Linien, während das Pferd aus der Diagonalen angreift – eine Drohungsstruktur, die schwer abzuwehren ist.
Das Pferd im Endspiel
Anders als die Kanone behält das Pferd seinen Wert im Endspiel – oder gewinnt sogar dazu. Mit weniger Figuren auf dem Brett gibt es weniger Hindernisse, die es blockieren könnten, und es bewegt sich freier. Ein gut postiertes Pferd in der Nähe des gegnerischen Palasts kann verheerend sein, besonders in Kombination mit einem vorgerückten Soldaten. So entstehen Mattdrohungen, die allein mit General und Beratern kaum zu parieren sind. Viele Spieler heben sich ihre Pferde deshalb bewusst für das Endspiel auf.
Häufige Fehler mit dem Pferd
Der häufigste Fehler ist, das Pferd zu früh zu entwickeln, ohne zu bedenken, dass es leicht blockiert werden kann. Ein weiterer typischer Fehler: Beim Berechnen von Varianten die Blockregel zu vergessen – viele Anfänger planen Zugfolgen, bei denen eine Figur den Pferdeweg versperrt. Auch ein Abtausch Pferd gegen Kanone im späten Mittelspiel ist meist ein Fehler, weil das Pferd im Endspiel in der Regel wertvoller ist. Schärfe deine Berechnung mit Taktikaufgaben auf Xiangqi One, um diese Stolperfallen zu umgehen.
Pferd gegen Kanone: Wann tauschen?
Pferd und Kanone haben ähnliche Werte (rund 4,5 Punkte), doch ihre Stärken hängen stark von der Partiephase ab. In Eröffnung und frühem Mittelspiel, wenn das Brett voller Figuren ist, ist die Kanone meist stärker, weil sie viele Schirme findet. Sobald abgetauscht wird, gewinnt das Pferd an Kraft, weil es weniger Hindernisse gibt. Faustregel: Wenn du mit einer Vereinfachung rechnest, behalte das Pferd. Bleibt die Stellung komplex, ist die Kanone vorzuziehen. Mehr zu den relativen Werten findest du in unserem Figuren-Guide.



