Wer ist Xu Yinchuan?
Xu Yinchuan (许银川, geboren 1975 in der Provinz Guangdong) ist einer der prägenden Spieler des modernen Xiangqi und war für weite Teile der 1990er und 2000er der Maßstab, an dem sich chinesische Profis maßen. Er kam aus dem Provinzsystem von Guangdong, damals die stärkste Ausbildungsumgebung des Landes, und wurde als Jugendlicher Profi. Sein Beiname 许仙 spielt mit seinem Familiennamen und dem Unsterblichen der chinesischen Legende. Seinen Ruf baute er nicht auf spektakulären Angriffspartien auf, sondern auf etwas, das schwerer zu bewundern und weit schwerer zu schlagen ist: recht zu haben. Wo andere Meister für eine berühmte Partie erinnert werden, wird Xu für ein Jahrzehnt erinnert, in dem er praktisch keine Stellung verlor, die er hätte halten müssen. Den Überblick über die großen Namen bietet unser Artikel zu den berühmten Xiangqi-Spielern; diese Seite ist der genaue Blick auf ihn.
Wie wird man mit achtzehn Landesmeister?
Xu gewann 1993 die chinesische Einzelmeisterschaft, mit achtzehn, und war damit einer der jüngsten Titelträger der Geschichte. Bemerkenswert war nicht die Frühreife allein — Xiangqi hat andere Teenagertalente hervorgebracht — sondern die Art. Er gewann nicht, indem er in wilden Stellungen weiter rechnete als das Feld, sondern indem er sich weigerte zu verlieren. Gegner, die gegen ihn in ein leicht schlechteres Endspiel gerieten, stellten fest, dass darin keine praktische Chance mehr steckte; und Gegner in einem leicht besseren stellten fest, wie viel Arbeit ein Gewinn tatsächlich kostet. Dieser Titel eröffnete eine Phase von rund zwanzig Jahren, in der er durchgehend zur Handvoll der besten Spieler Chinas gehörte — eine ungewöhnliche Spanne in einer Disziplin, in der sich die Spitze schnell erneuert. Wie das chinesische Titelsystem und die Wertungsleiter funktionieren, steht in unserem Artikel zu Elo-Zahlen im Xiangqi.
Was zeichnet seinen Stil aus?
Endspieltechnik, und zwar in einem Maß, das die Vorbereitung seiner Zeitgenossen veränderte. Die typische Xu-Partie ist eine, in der vierzig Züge lang nichts zu passieren scheint und die Stellung für den Gegner dann schlicht verloren ist. Er spezialisierte sich darauf, winzige Vorteile — ein Tempo mehr, eine bessere Soldatenstruktur, ein Wagen auf einer geringfügig besseren Linie — in Gewinne umzumünzen, die im Nachhinein zwangsläufig aussehen und im Moment fast unsichtbar waren. Die Kehrseite ist eine defensive Festigkeit, die ihn durch Angriff außerordentlich schwer schlagbar machte: Er ließ jene zweischneidigen Stellungen gar nicht erst zu, in denen ein Angreifer Chancen bekommt. Zur technischen Grundlage dahinter behandelt unser Leitfaden zu den Xiangqi-Endspielgrundlagen die entscheidenden Materialkombinationen, und unser Leitfaden zum Endspiel Wagen gegen Pferd bearbeitet genau die Art von Endspiel, die er sich zu eigen machte.
Xu Yinchuan und Lü Qin: die zwei aus Guangdong
Jahrelang brachte die stärkste Provinz des chinesischen Xiangqi zwei Spieler gleichzeitig an die absolute Spitze. Lü Qin (吕钦), wegen seines rasanten Angriffsspiels 羊城少帅 (der junge Marschall von Kanton) und 快马飞刀 (schnelles Pferd, fliegende Klinge) genannt, war der Ältere und der direktere Angreifer; Xu der Jüngere, positioneller, geduldiger. Gemeinsam trugen sie Guangdong durch eine lange Ära der Mannschaftsdominanz und trafen bei nationalen Turnieren ständig an der Spitze aufeinander — eine Rivalität, die ungewöhnlicherweise zugleich eine Arbeitsgemeinschaft war, da sie im selben System trainierten. Der Kontrast zwischen beiden ist ein guter Schlüssel zum Verständnis von Xiangqi-Stilen überhaupt: zwei nahezu gleich starke Spieler, die auf entgegengesetzten Wegen dorthin kamen — der eine über Tempo und Schärfe, der andere über die Weigerung, falsch zu liegen. Beide erscheinen in unserem Überblick zu den berühmten Xiangqi-Spielern.
Das Computermatch von 2006
Am 15. August 2006 bestritt Xu ein Schaukampf-Match über zwei Partien gegen den Supercomputer 浪潮天梭 von Inspur, zu einer Zeit, als die Frage, ob Maschinen die besten Menschen im Xiangqi schlagen können, noch wirklich offen war. Beide Partien endeten remis, 1:1: die erste hielt er mit Schwarz aus der schlechteren Stellung, in der zweiten hielt die Verteidigung der Maschine seiner Initiative stand. Dieselbe Maschine hatte kurz zuvor ein Feld von fünf anderen Großmeistern — 柳大华, 张强, 汪洋, 徐天红, 卜凤波 — mit 5,5:4,5 über zehn Partien knapp bezwungen; Xu blieb der Einzige, den sie nicht schlug. Heute liest es sich als der letzte Moment, in dem Mensch und Maschine im Xiangqi auf Augenhöhe aufeinandertrafen. Wenige Jahre später war die Antwort endgültig geklärt: Moderne Engines auf gewöhnlicher Hardware sind weit jenseits jedes Menschen, wie unser Überblick über Xiangqi-KI-Engines darlegt und unser vollständiger Leitfaden zu Pikafish ausführt. Diese beiden Remis von 2006 lohnen die Erinnerung gerade deshalb, weil sie sich nicht wiederholen können — und sie sind der historische Hintergrund unseres Praxisleitfadens zum Spiel gegen den Computer.
Was kann ein Amateur aus seinen Partien tatsächlich lernen?
Mehr als von auffälligeren Spielern, und das ist der nützliche Teil. Angriffsmeisterwerke machen beim Nachspielen Freude und sind fast unmöglich nachzuahmen, weil sie auf der Mitwirkung des Gegners beruhen. Xus Partien lehren etwas Wiederholbares: Verlieren Sie nicht die Stellung, die Sie haben. Drei Gewohnheiten lassen sich direkt übertragen. Erstens: einen kleinen strukturellen Vorteil als etwas behandeln, das man dreißig Züge lang schützt, statt ihn in drei Zügen verwerten zu wollen. Zweitens: Komplikationen ablehnen, wenn man ohnehin besser steht — der Preis einer scharfen Stellung ist, dass sie der schlechteren Seite Chancen gibt. Drittens: Endspiele gründlich lernen, denn dort wird dieser Vorteilstyp eingelöst. Unser Leitfaden zur Verbesserung im Xiangqi macht daraus eine Trainingsroutine, und unser Artikel zu typischen Anfängerfehlern sammelt die Gewohnheiten, die kleine Vorteile verdampfen lassen.
Wie verhält er sich zu Hu Ronghua und Wang Tianyi?
Die drei stehen in verschiedenen Epochen und beantworten verschiedene Fragen. Hu Ronghua ist der historische Riese, dessen Dominanz in den 1960er und 1970er Jahren das moderne Profispiel definierte und der noch immer die übliche Antwort auf die Frage nach dem Größten aller Zeiten ist — unser Porträt von Hu Ronghua behandelt diese Laufbahn. Wang Tianyi steht für die nachfolgende, von Engines geschulte Generation mit jener Vorbereitungstiefe, die erst Computer ermöglichten; seine Geschichte ist unvermeidlich auch die des Manipulationsskandals, der sie beendete, was unser Porträt von Wang Tianyi direkt behandelt. Xu Yinchuan liegt dazwischen, und seine Besonderheit ist die Dauer: nicht der höchste Gipfel, sondern das längste Plateau, etwa zwei Jahrzehnte an oder nahe der Spitze. Ist Hu der Größte und Wang der Bestvorbereitete, dann ist Xu der beständigste.
Welchen Platz nimmt er in der Geschichte des Spiels ein?
Bequem unter der Handvoll Spieler, die die moderne Ära definierten, auch wenn seine genaue Einordnung gegenüber den anderen zu den Debatten gehört, die nie entschieden werden. Nicht strittig ist sein Einfluss darauf, wie das Spiel gespielt wird: Der Standard an Endspielgenauigkeit, den man von einem chinesischen Profi erwartet, stieg während seiner Laufbahn, größtenteils weil ein Spiel gegen ihn allen vorführte, wie viel Genauigkeit überhaupt verfügbar war. Engines bestätigten später vieles, was er intuitiv getan hatte — vielleicht das größte Kompliment, das die Maschinenära einem menschlichen Spieler machen kann. Zu den Wettkampfstrukturen, in denen er spielte, siehe unsere Geschichte der Xiangqi-Weltmeisterschaft und unseren Überblick über die WXF.
Seine Art von Stellung nachspielen
Aus einem Spieler wie Xu zieht man nichts, indem man seine Partien auswendig lernt, sondern indem man die Situationen übt, auf die er spezialisiert war. Bauen Sie ein leicht besseres Endspiel auf — einen Soldaten mehr, oder Wagen gegen Pferd und Kanone — und versuchen Sie, es gegen einen Gegner zu verwerten, der nicht patzt. Sie werden sehr schnell merken, dass der Vorteil real ist und dass seine Verwertung ein Handwerk ist; das ist die ganze Lektion. Ein kalibrierter Gegner eignet sich dafür besser als ein Mensch, weil Sie dasselbe Endspiel wiederholen können, bis die Technik automatisch sitzt: öffnen Sie Xiangqi One und wählen Sie eine Stufe, die Ihnen etwas abverlangt. Für weitere Porträts und die Gemeinschaftsseite des Spiels stöbern Sie in der Kategorie Community.



